An wen richtet sich das Angebot?
Die Meldestelle richtet sich vor allem queeren Personen, die Gewalt erfahren haben. Sie bietet eine einfache Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen. Aber auch, wenn du einen Vorfall beobachtet hast, kannst du die Situation melden.
Wenn du unsicher bist, ob deine Erfahrung passt, schaue hier: Was kann ich melden? Dort findest du auch eine Übersicht über weitere Meldestellen.
Warum eine Meldestelle?
Queerspezifische Gewalt und insbesondere queer- und trans*feindliche Vorfälle müssen in Thüringen besser erfasst werden und Sichtbarkeit erfahren. Die Schilderung deiner Erfahrung hilft dabei zu verstehen, was queere und trans* Personen als Gewalt erleben, in welchen Kontexten sie auftritt usw. Es gibt hohe Dunkelziffern bei bestehenden Erfassungen, z. B. weil queere Personen in der Abfrage nicht berücksichtigt werden oder weil Vorfälle nicht angezeigt werden. In vielen Erfassungen und Forschung geht es darum, welche Person aus welchem Grund Gewalt ausübt. Wir richten den Blick stattdessen auf die Sichtweise und Erfahrungen der Betroffenen. Die Arbeit der Meldestelle kann deswegen auch dabei helfen, bedarfsgerechtere Angebote zu entwickeln und präziser über queerspezifische Gewalt zu informieren.
Hier kommst du zur Meldestelle.
Die bundesweiten Beratungsstellen und Fachstrukturen der Queeren Anti-Gewalt-Arbeit sind über die Vorfälle um den Berliner CSD bestürzt und in den Gedanken bei den Betroffenen, Angehörigen und Zeug*innen. Dieser Angriff galt der gesamten queeren Community – wir stehen solidarisch an der Seite aller queeren Menschen.
Für die Fachstelle Queere Antigewaltarbeit in Thüringen – Q*Rage suchen wir
- eine*n Referent*in
Queerspezifische Gewalt:
Queerspezifisch bedeutet, dass es queeren Personen passiert. Mit queerspezifischer Gewalt meinen wir insgesamt Gewalt, die queere Personen erleben oder die sich gegen queere Personen richtet. Dazu gehören queer* und trans*feindliche Vorfälle, aber auch Gewalt in der (Wahl-)Familie oder Gewalt in Partner*innenschaften oder anderen nahen Beziehungen.
Diskriminierung oder Gewalt?
Gewalt und/oder Diskriminierung passieren immer innerhalb von gesellschaftlichen (Macht-)Verhältnissen. Wir verstehen Diskriminierung als eine Form von Gewalt. Gewalt kann also mit Diskriminierung zusammenhängen, muss sie aber nicht. Oft ist das nicht leicht zu erkennen. Queere Personen können Gewalt erleben, weil sie queer sind oder es ihnen zugeschrieben wird. Gewalt kann aber zum Beispiel auch in queeren Beziehungen passieren, ohne dass die queere Identität der Grund für die Gewalt ist.
Zählt das, was mir passiert ist, als Gewalt?
Deine Wahrnehmung zählt! Viele queere Personen erfahren im Alltag Diskriminierung und Gewalt. Aber die Erlebnisse werden häufig als „nicht schlimm genug“ eingestuft. Das kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel denken viele Menschen in unserer Gesellschaft erst an Gewalt, wenn Personen körperlich angegriffen oder verletzt werden. Die kann dann z.B. auch angezeigt werden. Wenn es keine körperliche Gewalt ist, wird das leider oft nicht gesehen oder ernst genommen. Das wollen wir ändern. Du hast hier den Raum zu melden, was du als gewaltvoll empfunden hast. Wenn wir Betroffenen zuhören, können wir besser verstehen, was Gewalt ist.
Beispiele:
Queerspezifische Gewalt zeigt sich ganz unterschiedlich. Es gibt emotionale Gewalt, psychische Gewalt und physische Gewalt, medizinische Gewalt oder sexualisierte Gewalt. Sie findet in der Öffentlichkeit, zu Hause, in der Ausbildung/Uni oder am Arbeitsplatz statt.
Hier in der Liste sind nur Beispiele:
- Im Stadtbild finden sich Sticker oder Graffitis mit queerfeindlichen Inhalten,
- Das Entwenden oder Beschädigen von queeren Symbolen, wie z.B. einer Regenbogenfahne,
- Verbale Anfeindungen, wie z.B. Beleidigungen, Bedrohungen oder Einschüchterungsversuche,
- Unangemessene, intime Fragen, die anderen Personen oder Paaren nicht gestellt werden würden,
- Misgendern: die (absichtlich) falsche Verwendung von Pronomen oder die Missachtung selbst gewählter Vornamen,
- Deadnaming: die (absichtliche) Verwendung eines abgelegten Namens,
- körperliche Gewalt,
- Bedrohungen per Mail oder Brief,
- Fremd-Outings oder Androhung eines Outings,
- Queerfeindliche Demonstrationen oder Kundgebungen in deiner Stadt,
- ...
Weitere Meldestellen:
Wir erfassen nur Meldungen, die in Thüringen passiert sind.
Hier findest du eine Liste mit weiteren Meldestellen in Deutschland:
- Baden-Württemberg: Fachstelle gegen Antifeminismus und Queerfeindlichkeit in Baden-Württemberg (FAQ BW)
- Bayern: Strong! Beratungsstelle – Fachstelle – Hate Speech- Meldestelle
- Berlin: Berliner Register
- Niedersachsen: Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit (MIQ) Niedersachsen
- Nordrhein-Westfalen: Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit (MIQ) NRW:
Melde- und Beratungsstellen mit Sitz in Berlin, die aber bundesweit Meldungen aufnehmen:
- LesMigras - Antigewalt-, Antidiskriminierungs- und Empowermentbereich der Lesbenberatung Berlin e.V.
- Maneo – das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin:
- Meldestelle Antifeminismus des Lola für Demokratie e.V.
Meldestellen mit weiteren thematischen Schwerpunkten:
- ezra – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen
- elly - Hatespeech Beratung Thüringen
- Vorfälle von Diskriminierung in TH können bei Empowermensch oder bei MigraNetz e.V. im Projekt Raus aufs Land gemeldet werden
- Antisemitische Vorfälle können bundesweit bei RIAS gemeldet werden
- Medar NRW: Melde- und Dokumentationsstelle antimuslimischer Rassismus NRW (Medar NRW)
- Meldestelle antimuslimischer Rassismus (Marwa)
- Melde- und Informationsstelle anti-Schwarzer, antiasiatischer und weitere Formen von Rassismus in NRW (MIRA NRW)
- Melde- und Informationsstelle Antiziganismus des MIA e.V.
Falls Du queerspezifische Gewalt erfahren hast oder es vermutest, dann wende Dich gerne an unsere Beratungsstelle: Du kannst per E-Mail (
Im Erstgespräch nehmen wir uns Zeit, hören aktiv zu, reflektieren gemeinsam Deine Situation und entwickeln erste Lösungsansätze. Wir können Dich an weitere hilfreiche (Beratungs-)Stellen sowie Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen queeren Menschen verweisen.
Das Erstgespräch dauert in der Regel etwa 60 Minuten und kann persönlich, online oder telefonisch stattfinden – in Jena, Erfurt oder an einem anderen Ort in Thüringen. Dabei orientieren wir uns an Deinen Wünschen.
Weiterführende Unterstützung: Bei Bedarf können wir auch weitere Gesprächstermine vereinbaren und Dich für einen kurzen Zeitraum unterstützen. Das schließt ggf. auch die Begleitung zu Behörden oder Fachstellen ein. Q*rage kann jedoch aktuell keine kontinuierliche Beratung oder Therapie anbieten, dafür aber gemeinsam mit Dir nach einem passenden Angebot suchen.
Die Beratungsgespräche können in deutscher oder englischer Lautsprache stattfinden. Eine Verdolmetschung über lingatel (telefonisch) ist möglich, bei Bedarf können wir auch Dolmetscher*innen hinzuziehen.
Nach Vorabsprache kann unsere Beratung in barrierearmen Räumlichkeiten oder in Deiner Nähe stattfinden.
Mit queerspezifischer Gewalt meinen wir alle Formen von Gewalt, die queere Personen erleben oder die sich gegen queere Personen richtet. Dazu gehört neben Gewalt in der Öffentlichkeit oder im sozialen Umfeld auch Gewalt in der (Wahl-)Familie oder Gewalt in Partner*innenschaften oder anderen nahen Beziehungen.
Über unsere Beratung: Unsere Beratung ist professionell, vertraulich und auf Wunsch anonym. Außerdem ist uns wichtig, dass unser Beratungsteam selbst Teil der queeren Community ist. Wir beraten und unterstützen Dich parteilich, empowernd und unabhängig (von staatlichen Behörden).
Unser Beratungsangebot umfasst
- psychosoziale Beratung und Unterstützung bei der ersten Orientierung direkt nach einer solchen Erfahrung,
- (kurzzeitige) Begleitung während der danach folgenden (gewünschten) Schritte,
- Unterstützung bei der Suche nach einem längerfristigen Beratungs- oder Therapieangebot,
- Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen für Gewaltopfer nach dem Gesetz über Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG).
Hierbei arbeiten wir gegebenenfalls mit anderen Fachstellen und Professionen in Thüringen und bundesweit zusammen.
Wir arbeiten mit Ansätzen aus der systemischen, trauma-zentrierten und selbststärkenden Beratung und verorten unser Angebot im (politischen) Kontext von Queerfeminismus und Patriarchatskritik.
Bitte zögere nicht, Dich an uns zu wenden! Gewalt kann sehr vielfältig sein. Deine Wahrnehmung zählt! Die Definitionsmacht liegt bei Dir als betroffener Person.
Für Angehörige und Freund*innen von Betroffenen sowie für Zeug*innen von queerspezifischer Gewalt können wir ein einmaliges Entlastungsgespräch anbieten und ggf. an andere Beratungsstellen vermitteln.
Weiterführende Beratungsstellen in Thüringen:
- Queeres Zentrum Erfurt
- ezra: Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen
- „EmpowerMensch“: Unabhängige Antidiskriminierungsberatungsstelle in Thüringen
- Antidiskriminierungs-Beratungsstelle „Raus aufs Land“
Angebote für queere Jugendliche:
Angebote für queere Geflüchtete:
- In Jena gibt es eine Trans, inter, agender, nichtbinär genderqueer Selbsthilfegruppe. Diese ist erreichbar unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. - Und hier eine Empfehlung für die Broschüre „Queerer Taschenanker für stürmische Momente“ von K Stern: https://www.praxis-kstern.de/wp-content/uploads/2023/12/Queerer-Taschenanker-Fuer-Stuermische-Momente.pdf
In akuten Krisenfällen wende dich an:
- Krankenwagen Telefon: 112
- Beratung per Chat, E-Mail oder Telefon des Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016
- Beratung per Chat, E-Mail oder Telefon der TelefonSeelsorge: 0800 1110111


