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Presseartikel

(Ostthüringer Zeitung vom 19.05.10, Seite OAJE219)

2010-05-19_otz



(Thüringische Landeszeitung, 18.05.10, Seite ZAJE118)

Miteinanders mit Courage - Verein Queerwege erhält 1000 Euro Charlotte-Figulla-Preis an vier Projekte

Frank Döbert

Jena. Der diesjährige Träger des Jenaer Preises für Zivilcourage ist das Projekt MiteinAnderS von Queerweg, dem schwul-lesbischen Verein für Jena und Umgebung. Der mit 1000 Euro dotierte und zum neunten Mal vergebene Preis wurde gestern in einer Feierstunde in den Rosensälen verliehen. Geehrt werden mit dem Preis Bürger der Stadt Jena, die sich durch selbstloses und couragiertes Handeln ausgezeichnet haben. Gestiftet wurde er in diesem Jahr von der Volksbank Saaletal eG.

Dass der Preis in diesem Jahr nicht wie bisher auf Bürger, Initiativen oder Verein fixiert war, die sich mit dem Rechtsextremismus auseinander setzen, kam möglicherweise zunächst überraschend für Nichteingeweihte, überraschte in der Konsequenz jedoch nicht wirklich. Denn, wie Mirko König, Informatik-Lehrer am Carl-Zeiss-Gymnasium, in seiner Laudatio deutlich machte, ist es gerade mal 20 Jahre her, da Homosexualität aus dem Diagnose-Schlüssel der Weltgesundheitsorganisation gestrichen wurde. Und vergeben wurde der Preis just an dem Tag, dem 17. Mai, der als Symbol steht für die Abschaffung des Strafrechts-Paragraphen 175. Sich zu homosexuellen, lesbischen, bisexuellen oder transsexuellen Lebensformen zu bekennen, ist angesichts immer noch weit verbreiteter Vorurteile und Intoleranz in der Gesellschaft mit vielen Problemen behaftet und für Jugendliche noch sehr viel schwieriger. Hier Aufklärung in den Schulen zu betreiben, das ist das Ziel des Projektes MiteinAnders, für das Matthias Gothe, Sophie L. Jödicke, Elke Metzmacher, André Ludwig und Daniel Schwartze den Preis entgegen nahmen.

Auf eine sechsjährige Tradition blickt der ebenfalls vergebene Charlotte-Figulla-Preis zurück. Der mit 1000 Euro dotierte Preis, gestiftet von Professor Hans-Reiner Figulla im Gedenken an seine verstorbene Tochter, soll Jugendliche motivieren, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander zu setzen. Das diesjährige Motto lautete: Bin ich ein Weltbürger? Prämiert wurden diesmal zu gleichen Teilen gleich vier Projekte, die das Thema auf ganz unterschiedliche Weise umsetzten als Film (Christian Reibold, Lukas Gintrowski und Tilmann Möller für ihren Film Die Telefonzelle), auf der Leinwand als Gemälde (Simon Peter fürDie Welt der Zwischenmenschlichkeit), für Anregungen zum interkulturellen Austausch von Jugendlichen (Dorina Hildebrand für ihre Broschüre Discover Europas with European Voluntary Service) sowie das Projekt Was heißt HIER fremd? von 110 Jenaplan-Schülern.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde auch durch den Auftritt der Samba-Gruppe ohne Namen, die im KuBuS Lobeda beheimatet ist.



(Ostthüringer Zeitung vom 18.05.10, Seite OAJE118)

Wege ebnen und Vielfalt leben - Jenaer Preis für Zivilcourage und Charlotte-Figulla-Preis vergeben

Von Frank Döbert

Jena (OTZ). Der diesjährige Träger des Jenaer Preises für Zivilcourage ist das Projekt MiteinAnderS von Queerweg, dem schwul-lesbischen Verein für Jena und Umgebung. Der mit 1000 Euro dotierte und zum neunten Mal vergebene Preis wurde gestern in einer Feierstunde in den Rosensälen verliehen. Geehrt werden mit dem Preis Bürger der Stadt Jena, die sich durch selbstloses und couragiertes Handeln ausgezeichnet haben. Gestiftet wurde er in diesem Jahr von der Volksbank Saaletal eG.

Dass der Preis in diesem Jahr nicht wie bisher auf Bürger, Initiativen oder Vereine fixiert war, die sich mit dem Rechtsextremismus auseinander setzen, kam möglicherweise zunächst überraschend für Nichteingeweihte, überraschte in der Konsequenz jedoch nicht wirklich. Denn, wie Mirko König, Informatik-Lehrer am Carl-Zeiss-Gymnasium, in seiner Laudatio deutlich machte, ist es gerade mal 20 Jahre her, da Homosexualität aus dem Diagnose-Schlüssel der Weltgesundheitsorganisation gestrichen wurde.

Und vergeben wurde der Preis just an dem Tag, dem 17. Mai, der als Symbol steht für die Abschaffung des Strafrechts-Paragrafen 175.

Sich zu homosexuellen, lesbischen, bisexuellen oder transsexuellen Lebensformen zu bekennen, ist angesichts immer noch weit verbreiteter Vorurteile und Intoleranz in der Gesellschaft mit vielen Problemen behaftet - und für Jugendliche noch sehr viel schwieriger. Hier Aufklärung in den Schulen zu betreiben, das ist das Ziel des Projektes MiteinAnders, für das Matthias Gothe, Sophie L. Jädicke, Elke Metzmacher, AndrŠ Ludwig und Daniel Schwartze den Preis entgegen nahmen.

Auf eine sechsjährige Tradition blickt der ebenfalls vergebene Charlotte-Figulla-Preis zurück. Der mit 1000 Euro dotierte Preis, gestiftet von Professor Hans-Reiner Figulla im Gedenken an seine verstorbene Tochter, soll Jugendliche motivieren, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander zu setzen. Das diesjährige Motto lautete: Bin ich ein Weltbürger? Prämiert wurden diesmal zu gleichen Teilen vier Projekte, die das Thema auf ganz unterschiedliche Weise umsetzten - als Film (Christian Reibold, Lukas Gintrowski und Tilmann Möller für Die Telefonzelle), auf der Leinwand als Gemälde (Simon Peter für Die Welt der Zwischenmenschlichkeit), für Anregungen zum interkulturellen Austausch von Jugendlichen (Dorina Hildebrand für ihre Broschüre Discover Europas with European Voluntary Service) sowie das Projekt Was heißt HIER fremd? von 110 Jenaplan-Schülern.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde u.a. durch den Auftritt der Samba-Gruppe ohne Namen, die im KuBuS Lobeda beheimatet ist.

Gewinn fürs Miteinander

Von Frank Döbert

Im Fernsehen und in den Schulbüchern ist die Welt noch in Ordnung: in den Seifenopern am Nachmittag verlieben sich immer Jungs in Mädchen oder umgedreht, und in den Schulbüchern ist es ähnlich.

Warum können es nicht auch zwei lesbische Mädchen sein, deren Alltagsprobleme thematisiert werden, fragt Matthias Gothe. Er ist einer von zehn jungen Leuten, die im VereinQueerwege organisiert sind und seit vier Jahren mit ihrem Projekt MiteinAnderS regelmäßig in die Jenaer Schulen gehen und dort ab Klasse 8 in einer Doppelstunde über die Vielfalt sexueller Identitäten und Orientierungen aufklären.

Ein schwieriges Unterfangen aus mehreren Gründen, denn diese Form des Unterrichtes muss in den Stundenplan eingeordnet werden und muss vor allem noch viel mehr Gehör bei den Lehrern und Schulleitern finden. Der Bedarf an Wissensvermittlung ist unbedingt da, pro Klasse ist erfahrungsgemäß mindestens ein Jugendlicher schwul oder lesbisch. Für die MiteinAnderS-Leute ist daher öffentliche Anerkennung und Beförderung ihrer Arbeit über den Preis für Zivilcourage mit Sicherheit ein Gewinn.



(Thüringische Landeszeitung, 15.05.2010, Seite JE 3)

Hinsehen, nicht glotzen - Idaho will zum Verständnis der Homosexualität beitragen

Von Florian Girwert

2010-05-15_tlzJena. Schaut man sich in Jena um, könnte man annehmen, es sei alles rosig, aber schon wenn wir in der Umgebung unterwegs sind, zeigt sich, dass die Menschen noch viele Vorurteile gegen Schwule und Lesben haben, sagt Matthias Gothe vom Verein Queerweg e.V.

Zusammen mit der Hochschulgruppe Queer-Paradies, dem Aufklärungsprojekt miteinanders, dem Gleichstellungsreferat des Studentenrates der Universität, der Aids-Hilfe Weimar und der AG Lesben und Schwule in der Gewerkschaft ver.di hat der Verein das Idaho-Festival (international day against homophobia) organisiert, was vom heutigen Abend an bis Montagabend überwiegend im Kassablanca stattfindet.

Anliegen des Festivals und der Vereine sei es zu demonstrieren, dass Homosexualität nichts Anrüchiges, sondern etwas vollkommen Normales sei, an dem niemand Anstoß nehmen müsse, sagte Nora Scharfenberg wie Matthias Gothe im Organisationsteam des Festivals.

In vielen Bereichen ist es einfach für viele noch undenkbar, ihr Homosexualität offen einzugestehen, sagt Gothe. Mancher DAX-Vorstand organisiere sich für offizielle Anlässe eine Alibi-Freundin, um unangenehme Fragen zu vermeiden.

Auch im Bereich des Sports, besonders beim Fußball, müsste es ja laut Statistik wie im Rest der Bevölkerung auch etwa 5 bis 10 Prozent Homosexuelle geben. Von fast 550 Bundesligaspielern sei aber ein einziger bekannt, der offen homosexuell ist. Bezogen auf dieses Thema bietet das Festival am Sonntag, 17 Uhr, im Kassablanca eine Diskussion zum Thema Homophobie im Sport. Zu Gast sein werden unter anderem Marcus Urban der ehemalige Profi des FC Rot-Weiß Erfurt bekannte sich öffentlich zur Homosexualität, woraufhin seine Karriere schnell beendet war und Lars Wessell vom offiziell schwulen Fanclub Green Hot Spots der Bundesligamannschaft Werder Bremen.

Nora Scharfenberg betont: Wir wollen nicht nur mit erhobenem Zeigefinger durch das Wochenende gehen, sondern auch ganz profan lockere Begegnungen fördern, um Vorurteile abzubauen.

Auftakt des Idaho-Festivals heute ab 21 Uhr im Kassablanca mit den Bands Hunt (SWE), Lars and the Hands of Light (DK), I Heart Sharks (Berlin). Fotografien von Goodyn Green (DK) werden bis Sonntag ausgestellt



(Akrützel, Ausgabe 280, Seite 12)

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(07 Das Stadtmagazin, Ausgabe 16)

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(Kassa-Fahrplan)

IDAHO
Internationale Tag gegen Homophobie

Zum zweiten Mal engagieren sich mehrere Gruppen in Jena am Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHO). Weltweit kommt es am 17. Mai mit dem Slogan “Speaking about Silence“ zu verschiedenen kulturellen Veranstaltungen. Das Jenaer Festival steht unter dem Motto „Hier gibt's nichts zu sehen, Bitte sehen Sie her!'' und lädt vom 15.-17. Mai zum Tanzen und Verweilen, Diskutieren und Zuhören, Betrachten und Mitmachen ein.

Die Musiker von HUNT kommen aus Göteborg und verwöhnen mit ruhigen Klängen aus dem hohen Norden, man sagt über sie: "Und so klingt sie dann, die lange, frühe Morgendämmerung nach der schwedischen Juninacht. Still, schwingend, leicht“', quasi schwedische Lieblichkeit auf Synthie-Teppichen! Susanna Brandin aka WINTER TOOKHIS LlFE ist die Gänsehautproduzentin und Frontfrau von HUNT – reinhören und lieben! Lars and The Hands of Light sind eine neue Band aus Kopenhagen rund um Lars Vognstrup, der bereits auf eine lange Karriere mit Bands wie Raunchy, Money Your Love, Wolfkin und langjähriges Touren mit Junior Senior zurückblicken kann. Die Dänen präsentieren sich ganz im Stile charmanter und geschmackvoller Popmusik. Die Berliner Jungs der I HEART SHARKS greifen sich mit ihren „electropoppigen" beats and beeps auch den letzten Tanzmuffel - versprochen. Sie streicheln die Synthesizer und schreien wolves und anderen animals. Wer Interesse an Kunst hat kommt beim IDAHO auch auf seine Kosten. Es wird eine Fotoausstellung von Goodyn Green geben, in ihren Fotographien stellt sie ein fantastisches Spiel mit modernen Geschlechterrollen auf und verleiht ihren Objekten ein ganz persönliches Verständnis von Ästhetik und Erotik. Außerdem besuchen uns zwei nationale Magazine: BEND OVER MAGAZINE & HUGS AND KISSES MAGAZINE!

"Speaking about silence - Homophobie im Sport"

(Podiumsdiskussion u.a. mit Tanja Walther-Ahrens (European Gay and Lesbian Sport Federation))

Trotz 40 Jahren Lesben- und Schwulenbewegung hat sich ein bedeutender Teil des sozialen Miteinanders einer Sensibilisierung gegenüber vielfältigen Lebensweisen entzogen - auch heute noch müssen sich Sportler zwischen einer Sportkarriere und einem offenen (Er)Leben ihres eigenen Ichs entscheiden.

Ex-Bundesligaspielenn Tanja Walter-Ahrens diskutiert mit Sportlern, Managern und Fans über Vorurteile, Realitäten und Rahmenbedingungen für einen offenen Sport.

„Das große Tabu“

(Dokumentation von Aljoscha Pause)

Es ist eines der letzten großen Tabus in unserer Gesellschaft: Homosexualität im Fußball. Dabei kann es schon rein statistisch nicht sein, dass unter so vielen Männern nicht ein einziger Schwuler auf dem Platz steht. Fernsehjournalist Aljoscha Pause zeigt in der bisher größten TV-Reportage die Situation homosexueller Fußballer in Deutschland auf. Erzählt wird u.a. die Geschichte des ehemaligen DDR-Jugendauswahl-Spielers Marcus Urban, der als eines der größten Talente seiner Zeit galt, bis er sich mit Anfang 20 zu seiner Homosexualität bekannte und sich damit gegen eine Fußball-Karriere entschied. Durcj diesen Film begann eine Diskussion, in deren Folge DFB- Präsident Theo Zwanziger jedem Spieler seine persönliche Unterstützung bei einem Outing zusicherte und gleichzeitig Spitze-Sportler ,,aus Sicherheit“ vor jedem Outing abraten.



(DU&ICH, 04/05 2010, Seite 106-109)

Im Osten was neues

DDR, Wende, Einheit: Was hat sich 20 Jahre nach dem Mauerfall in Thüringer Provinzialen verändert? Allerhand! Eine Stippvisite in Erfurt, Weimar & Jena

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Der dritte Workshop war zugleich der letzte. Im Februar 1990 tagten in Jena die Großen aus Wissenchaft und Subkultur friedlich vereint zum Thema „Psychosoziale Aspekte der Homosexualität“. Im Grußwort erinnerte Prof. Dr. Erwin Günther an die erste Veranstaltung der Reihe im Jahr 1985: „Der Staatssicherheitsdienst wollte Garantien, dass wir keine staatswidrigen Aktivitäten entfalten oder dulden" und weiter: „Nach der Tagung begannen neue Schwierigkeiten. Kein Verlag wollte über Homosexualität publizieren, obwohl ein großes Bildungsdefizit in der DDR bestand". Nach wiederholter Zensur eines Beitrages erschien der Dokumentationsband im Jenaer Universitätsverlag: „Trotz der kleinen Aufiage von nur 700 Exemplaren, die vorsichtshalber als ‚Manuskriptdruck’ erschienen, war der 1. Tagungsband ein Durchbruch durch die Barriere des Schweigens und Ignorierens in unserem Land.“

Ein weiterer Schritt war die Gründung  des Arbeitskreises Homosexualität der Studentengemeinde Jena, eines der ersten in der DDR. Sogar m Jenaer Buschwerk herrschte damals Hochbetrieb. Der Legende nach fielen die Nachtschwärmer an der Fernwärmetrasse des Paradies-Bahnhofes sogar im strengen Winter übereinander her.

Nach der Wende herrschte dagegen eine lange Zeit Friedhofsruhe. Im Internet wurde verzweifelt gefragt: ,,Wer soll das Paradies aufleben lassen, falls es überhaupt mal gelebt hat?" Noch 2008 titelteAkrützel, die örtliche Hochschulzeitung: „Homosexuelles Leben in Jena: Unsichtbar.“

Inzwischen ist die Szene aus dem Winterschlaf erwacht. Warum die Aktivitäten hier so wechselhaft sind, weiß Matthias, lnformatik-Student und Pressesprecher des LSVD Thüringen: „Hier macht entweder einer alles oder jeder gar nichts.“ Seit letztem Jahr versucht er mit einigen Mitstreitern, eine ganz große Kugel zu schieben. Am 17. Mai 2009 fanden zum ersten Mal die Festtage des Intemationalen Tages gegen Homophobie statt. Matthias: „In der Stadt forderten wir Passanten auf, vom Apfel der Toleranz gegen den Schwulenhass zu essen. Im Kulturzentrum am Westbahnhof führte Drag-Queen Miss Kempinski die Klischees von Männern und Frauen, Heteros und Homos ad absurdum. Mit Karo und Woog Riots traten sogar zwei queere Lifebands auf.“

uch sonst passiert jetzt einiges: Mit „Men-a-mi'“ trift sich eine Gruppe von Schwulen zwischen 18 und 66 zum Stammtisch in der einzigen Schwulenbar. Sogar eine Sportgruppe trainiert. Große Festivitäten gibt es dagegen selten. Nur einmal im Semester kommen Lesben und Schwule zu „Queer-Beat“ zusammen, einer von der Studentengruppe organisierten Party mit über 300 Besuchern: Für eine Stadt mit 25.000 Studenten ist das eine eher bescheidene Bilanz. Welchen abendlichen Vergnügungen seine Kommilitonen während der restlichen 364 Tage  des Jahres nachgehen, weiß auch Matthias nicht so recht. Peter von „Men-a-mi“ ist überzeugt, sie gehen fremd: „Zu den großen Partys in Leipzig und Gera könnte man jedes Mal eine ganze Busladung in Jena zusammenstellen.“

Wer etwas über das schwule Leben in Erfurt und Weimar wissen will, muss Radio Lattemio anstellen. Seit acht Jahren gibt es das schwule Programm vom Funkwerk Erfurt. Der offene Kanal der Stadt bringt auch Sendungen für Kinder und Heavy-Metal-Fans. Die Zugriffe auf den Lifestream des Senders zeigen jedoch, dass das schwule Programm das erfolgreichste ist. Entstanden ist Lattemio als Antwort auf Chilligays, der „nichtheterosexuellen“ Konkurrenz von Radio F.R.E.I. Matthias von Lattemio: „Was die machten, fanden wir stinklangweilig. Das konnten wir besser. Seitdem feiern wir jede Woche unseren kleinen CSD im Radio.“ Immer freitags ab 20 Uhr gibt es seitdem auf Erfurt 96,2 MHz eine Stunde lang aktuelle Musik, witzige Reportagen und Interviews.

Als in Erfurt kürzlich eine schwule Kneipe eröffnete, hat das kleine Team sofort „lattefoniert“. Das Ergebnis hört und liest sich dann so: „Die Tucher-Stuben sind die neue erste Adresse für durstige Schwule in Erfurt. Okay, es ist auch die einzige. Aber wenigstens gibt es endlich wieder eine Homo-Kneipe in Thüringens schönster Landeshauptstadt.“

Der Tonfall zeigt, dass Moderator Matthias ein Realist ist: „Was die Szene angeht, ist Erfurt schon etwas tot. Viele Schwule ziehen nach dem Studium weg, oft nach Berlin oder Leipzig.“ Auch Alexander von der Aids-Hilfe Thüringen spricht von „ein wenig Szene“. Man kann ins SwiB, das LesBiSchwule Kommunikationszentrum, oder das OX's gehen, einen Keller des Thüringer Lederclubs. Bescheidene Partys gibt es im UNI-k.u.m. und im ETC.

Wie viele Lesben und Schwule in Erfurt leben, zeigte der Trubel zum Christopher Street Day im vergangenen Jahr: Fast 600 Menschen zogen durch die Stadt. Das Lattemio-Team pendelt inzwischen am Wochenende von Leipzig und Gera in ein skuriles Funkhaus, das Rittergut Schleinitz in der Nähe von Naumburg. Mit viel Enthusiasmus streiten und lachen Matze, Tomi und Basti für einige Stunden in ihrem winzigen Zimmer. Im Anschluss wird die Sendung beim Abendbrot mit dem Hausherrn ausgewertet. Ein Freitag im Schloss - für unvorbereitete Studiogäste fast wie im Märchen!

Die kleinste der drei Städte ist Weimar. Dort sitzt man abends im „Warm-up" und tanzt alle paar Monate bei „Liebsein'' oder „Another Level'', den größeren Partys. So richtig turbulent war es in der ehemaligen Residenzstadt aber noch nie. Einen schwulen Verein sucht man jedenfalls vergeblich. Die Kapitale der Dichter und Denker ist in mancher Hinsicht eben eher eine Provinziale. Wer heute die Angebote auf dem Internet-Portal www.gay-szene.net durchschaut, stößt fast ausschließlich auf Ratschläge zum Cruisen. Derzeit heißester Tipp ist ein Autobahnteich nahe dem Schloss Belvedere. Ein Besucher: „Der heutige Montag war der beste Tag meiner bisherigen Besuche. Junger knackiger Boy, das volle Programm. (...) Geiler Montag, so fängt eine gute Woche an!“ Das wilde FKK-Areal an der Belvederer-Allee nahe Vollersroda ist beim Fachpublikum der ultimative Geheimtipp: „Absolut geil, habe in Thüringen noch nichts Schöneres gefunden!“

Dietmar Kreutzer



(BLITZ!-Stadtmagazin, 15.12.2009, Seite 10)

Queere Szene in Jena

Glühwein für die Gleichstellung

Verkauften Glühwein an der FH Jena, um queere Gruppen zuunterstützen: Elke, Matthias, Guido, SabrinaVerkauften Glühwein an der FH Jena, um queere Gruppen zu unterstützen:
Elke, Matthias, Guido, Sabrina

Weihnachtszeit ist Glühweinzeit. Die kalten Tage machten sich ein paar junge Leute in Jena zunutze, sie verkauften Anfang Dezember Glühwein an der Fachhochschule in Jena und spendeten den Erlös queeren Organisationen.

Und was ist eigentlich queer? Vor nicht allzu langer Zeit wurde dieser Begriff noch als befremdlich und sogar als Beleidigung angesehen, heute gehört er zum modernen Sprachgebrauch. Queer zu sein heißt, der heteronormativen Gesellschaft zu widersprechen und verschiedene Arten von sexueller Identität anzuerkennen und zu leben.

Vor ein paar Jahren sah es in Jena um die queere Szene ziemlich mau aus. Hier und da gab es zwar schon eine schwullesbische Bewegung, aber meist verliefen die Bestrebungen nach einiger Zeit wieder im Sande. Wer Gleichgesinnte treffen und als nicht-heterosexuelles Paar nicht auffallen wollte, musste schon nach Erfurt, Leipzig oder sogar nach Berlin fahren. Heutzutage gibt es in der Studentenstadt ein sehr enges Netzwerk aus verschiedenen Organisationen, die sich den unterschiedlichsten Themen widmen und gemeinschaftlich Projekte auf die Beine stellen.

Queer-Paradies zum Beispiel ist eine queere Hochschulgruppe, die sich besonders für die Belange der vielen Studenten in Jena engagiert. Jedes Semester entwerfen die Paradiesos einen bunten Terminkalender, der einiges zu bieten hat. Neben Parties und Konzerten gibt es regelmäßig Filme mit queerem Bezug und neuerdings auch Vorträge in Kooperation mit der Gruppe Körper-Macht-Sex, Vorträge, die im Bereich Queer-Theorie und Gender Studies erfahrene Referenten nach Jena holen. In erster Linie geht es im queeren Paradies nicht um eine Abgrenzung von der heterosexuellen Mehrheit, vielmehr wollen die Veranstalter Menschen zusammenbringen, die sich für die selbe Sache interessieren, ohne auf sexuellen Orientierungen herumzuhacken. Ging es noch vor Jahren um die Herausstellung der Andersartigkeit, geht es heute eher um das freie Leben in unserer Gesellschaft. Nichtsdestotrotz machen die Organisationen weiterhin auf bestimmte Missstände aufmerksam und kämpfen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene noch immer um Gleichstellung.

Seit Mitte 2008 gibt es auch den Verein QueerWeg, der sehr eng mit der Hochschulgruppe zusammenarbeitet. QueerWeg widmet sich vor allem dem nicht studentischen Publikum. Unter anderem gibt es dank QueerWeg jetzt eine queere Volleyballmannschaft und hoffentlich bald einen sehenswerten Bestand an queerer Literatur und Medien in der Ernst-Abbe~Bucherei. Seit kurzem gehört auch das Aufklärungsprojekt „miteinAnderS“ zum Verein. Die Mittis, wo sie sich selbst nennen, gehen aktiv an Schulen und sprechen mit Kindern und Jugendlichen über die Vielfalt von Lebensweisen, bauen Vorurteile und Ängste ab und beantworten jede noch so abwegige Frage.

Wer in Jena queer ist, kann eigentlich jede Woche etwas erleben. Jeden Dienstag gibt es Drinks und Gespräche in der Queer-Lounge im Kassaturm, jeden zweiten Mittwoch im Monat trifft man sich zum QueerBier im Grünowski und jeden zweiten Donnerstag gibt es die Radiosendung Queer-Funk vom Offenen Kanal Jena (OKJ) auf 103.4 MHz. Täglich geöffnet sind das Frauenzentrum Towanda und der Jenaer Mens Club (JMC).

Wort und Bild: Yvonne Ratzmann

Ausgehtipp: 2l.0l . Jena, Rosenkeller
Queer-Beat mit DJane Beangled und DJ Heartbeeps



(Thüringische Landeszeitung, 03.12.2009, Seite ZAJE303)

Festival gegen Homophobie

Glühweinstand-Aktion an der FH

091203_tlz_gluehweinstandSetzen sich für Homosexuelle ein: Verena Lindow
(von links), Matthias Gothe (QueerWeg), Yvonne
Wartzmann (Queer-Paradies)und Sabrina Caspers
(miteinAnderS). Foto: OTZ/Ute Flamich

Jena. (tlz/flam) Stolze 100 Liter Glühwein werden derzeit an der Fachhochschule Jena unter die Studenten gebracht. Das weihnachtliche Heißgetränk soll den jungen Leuten aber nicht nur die Adventszeit versüßen und die ein oder andere langweilige Vorlesung erträglicher gestalten. Mit der Aktion wollen der schwul-lesbische Verein Queerweg und die Hochschulgruppe Queer- Paradies für Toleranz und Aufklärung werben gegenüber Lesbischen, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen Menschen.

Auch am heutigen Donnerstag wird in der Zeit von 10 bis 18 Uhr im Foyer des Gebäudes 5 der Fachhochschule, Carl-Zeiss-Promenade 2, Glühwein ausgeschenkt.

Die Einnahmen kommen Projekten der beiden Vereine zugute, sagt Matthias Gothe, der im Mai 2008 QueerWeg mit gründete. Mit einem Teil des Geldes will der Verein QueerWeg den Aufbau einer schwul-lesbischen Bibliothek in der Ernst-Abbe-Stadtbibliothek fortführen. Der Bedarf ist da, doch bisher gibt es leider nur ein kleines Angebot an Literatur und Filmen, sagt Matthias Gothe. Wir wollen das erweitern.

Ein anderer Teil der Einnahmen aus der Glühweinstand-Aktion soll in ein Festival zum Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHO) im Mai gesteckt werden. Schön wäre es, wenn wir das Festival 2010 organisieren könnten, ohne Eintritt zu verlangen. Es soll wirklich für Jedermann zugänglich sein, sagt Yvonne Wartzmann, die im Wintersemester 2008 Queer-Paradies gründete.

Damals habe es in Jena keine Anlaufstelle für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Studenten gegeben, sagt Yvonne Wartzmann. Mit Gründung der beiden Vereine werden Vortragsreihen, Filmveranstaltungen, Aufklärungsprojekte, Konzerte, Kunstaktionen und noch vieles mehr organisiert.

www.queer-paradies.de, www.queerweg.de und www.miteinanders-jena.de.



(Ostthüringer Zeitung, 04.12.2009, Seite OAJE204)

Glühwein-Aktion für mehr Toleranz

Einnahmen kommen Projekten von Queerweg und Queer-Paradies zugute Jena

091203_tlz_gluehweinstandSetzen sich für Homosexuelle ein: Verena Lindow
(von links), Matthias Gothe (QueerWeg), Yvonne
Wartzmann (Queer-Paradies)und Sabrina Caspers
(miteinAnderS). Foto: OTZ/Ute Flamich

(OTZ/flam). 100 Liter Glühwein werden derzeit an der Fachhochschule Jena unter die Studenten gebracht. Das weihnachtliche Heißgetränk soll den jungen Leuten aber nicht nur die Adventszeit versüßen. Mit der Aktion wollen der schwul-lesbische Verein Queerweg und die Hochschulgruppe Queer-Paradies für Toleranz und Aufklärung werben gegenüber Lesbischen, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und intersexuellen Menschen.

Die Einnahmen kommen Projekten der beiden Vereine zugute, sagt Matthias Gothe, der im Mai 2008 QueerWeg mit gründete. Mit einem Teil des Geldes will der Verein QueerWeg den Aufbau einer schwul-lesbischen Bibliothek in der Ernst-Abbe-Stadtbibliothek fortführen. Der Bedarf ist da, doch bisher gibt es leider nur ein kleines Angebot an Literatur und Filmen, sagt Matthias Gothe. Wir wollen das erweitern. Ein anderer Teil der Einnahmen aus der Glühweinstand-Aktion soll in ein Festival zum Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHO) im Mai gesteckt werden. Schön wäre es, wenn wir das Festival 2010 organisieren könnten, ohne Eintritt zu verlangen. Es soll wirklich für Jedermann zugänglich sein, sagt Yvonne Wartzmann, die im Wintersemester 2008 Queer-Paradies gründete.

Damals habe es in Jena keine Anlaufstelle für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Studenten gegeben, sagt Wartzmann. Mit Gründung beider Vereine werden Vortragsreihen, Filmveranstaltungen, Aufklärungsprojekte, Konzerte, Kunstaktionen und noch vieles mehr organisiert.



(Thüringische Landeszeitung, 02.12.2009, Seite ZAJE202)

Schüler am Welt-Aids-Tag aufgeklärt

Ernst-Abbe-Campus: An fünf Ständen wurde über die noch immer unheilbare Krankheit informiert

091202_tlz_Schler_am_Welt-Aids-Tag_klDie Ansteckungsgefahr ist höchst unterschiedlich:
Andreas Gola (links) von derAids-Hilfe Weimar &
Ostthüringen lässt eine Gruppe von Schülern
zunächst einordnen, was sie für gefährlich halten,
und erklärt dann zu jeder Situation, ob sie wirklich
gefährlich ist oder doch harmlos.
Foto: Florian Girwert

Jena. (tlz/fg) Hier und da Gekicher, aber ganz oft hören die Schüler aufmerksam zu, oder sie antworten bestmöglich auf die Fragen der vielen Helfer an und in den Informationsständen im Foyer der Universität am Ernst-Abbe-Platz. Um was geht es? Am gestrigen Dienstag war, wie immer am 1. Dezember, Welt-Aids-Tag. Ein idealer Anlass also, um Schüler über die nach wie vor unheilbare Krankheit aufzuklären. So hatte sich zum Beispiel Heidi Fritzsche vom SBSZ Göschwitz mit zwei Gruppen zur Uni begeben. Bei uns war das Mädchenprojekt in der Schule, und man hat uns für heute eingeladen. Für eine Weile hat sie die Schüler dem Verein Mit Sicherheit verliebt überlassen, damit die beim Thema Kondome richtig verwenden nicht von Scham übermannt würden. Überhaupt wurde darauf geachtet, dass die Jugendlichen hier vor neugierigen Blicken geschützt werden, erklärte Kristin Algermissen von der Fachschaft Medizin.

Sie müssten sich bei den angesprochenen und teils wirklich heiklen Themen auch entsprechend öffnen können. Fünf Stände waren insgesamt im Foyer verteilt, überall 15 Minuten Zeit für jede Gruppe: der Verein QueerWeg spielte das populäre Spiel Tabu mit Begriffen wie Liebe, Familie oder auch mit Beleidigungen für Schwule und Lesben, um die Reaktion der Schüler auf bestimmte Worte zu testen, Vorurteile zu erkennen und im Anschluss darüber zu sprechen. Die Aids-Hilfe Ostthüringen informierte über weltweite Verbreitung und verschiedene Ansteckungswege des Virus. Dabei ist der Kenntnisstand immer unterschiedlich und hängt davon ab, ob Lehrer das schon angesprochen haben, sagte Andreas Gola, der den Stand der Aids-Hilfe betreut.

An anderer Stelle wurde es privat: Anhand eines Textilüberzugs bekamen zwei Jungen erklärt, wie und warum ihr Unterleib so funktioniert, wie er es eben tut ganz ohne Kichern. Manch ein Schmunzeln war aber dabei, so Kristin Algermissen. Richard und Danny, beide 14, die auf der Treppe mit ein paar anderen warteten, fanden das mit den Kondomen ziemlich cool. Gut, dass es die neben viel Anschauungsmaterial zum Mitnehmen gab.



(Ostthüringer Zeitung, 02.12.2009, Seite OCPL402)

Rundumschlag-Aufklärung zum Welt-Aids-Tag

Fachschaft Medizin organisiert Info-Tag

091202_otz_RundumschlagBiss in die Aids-
Schleife: Kristin
Algermissen und
Ilja Sokolowski

Von Constanze Alt
Jena (OTZ). Für 1200 Aids-Schleifen hat er gereicht, der Teig vom Bäcker Kwack aus Jena-Ost.

Verteilt wurde das symbolträchtige Gebäck gestern in Jenas Innenstadt, vor allem aber im Foyer der Carl-Zeiss-Straße 3 auf dem Uni-Campus. Dort haben das zur Fachschaft Medizin gehörende Projekt Mit Sicherheit verliebt, der Verein Jumäx, die Aids-Hilfe Ostthüringen und Unicef am gestrigen Welt-Aids-Tag zu einer Info-Veranstaltung für Schüler eingeladen.

Das Angebot richte sich vorrangig an Schüler der Klassenstufen sieben und acht, sagt Kristin Algermissen von der Fachschaft Medizin. Insgesamt hätten sich 240 Schüler angemeldet. Als Rundumschlag-Aufklärung bezeichnet Algermissen die Veranstaltung. Im Unterschied zu herkömmlichen Informationsveranstaltungen zum Thema Aids, die sich zeitlich bedingt meist nur auf ein, zwei Themen konzentrieren könnten, sei hier die gesamte Palette vertreten.

So konzentrierten sich bestimmte Fragestellungen an den einzelnen Ständen. An einer Station wurden etwa Fragen zum Thema Homosexualität und Heterosexualität besprochen. An einer anderen stand die weltweite Verbreitung von HIV und Aids im Mittelpunkt. Ein dritter Stand klärte unter dem Stichwort Beziehungskette unter anderem Fragen zu HIV-Tests oder zum ersten Mal - mit oder ohne Gummi. Verhütungsmittel im Allgemeinen und Besonderen waren Diskussionsgegenstand an einer vierten Station. Am Stand der Mediziner stand schließlich die Anatomie der Geschlechtersysteme im Zentrum.