
Auch in diesem Jahr finden die Queer-Jüdischen Tage in Thüringen statt! Die Veranstaltungen stehen im Zusammenhang mit queerem und jüdischem Leben.
Sowohl jüdische Personen als auch Menschen aus dem LGBTIQ+ Spektrum sind in allen Teilen unserer Gesellschaft anzutreffen. Die Queer-Jüdischen Tage setzen sich zum Ziel, vor allem die Verschränkungen queerer und jüdischer Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Kommt vorbei und bringt eure Freund*innen mit!
Einen Rückblick auf die Veranstaltungsreihe in den Vorjahren finet ihr hier: 2025, 2024, 2023, 2022.
Die Queer-Jüdischen Tage Thüringen sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der LSBTIQ*-Koordinierungsstelle und des Queeren Zentrum Erfurt im Vielfalt Leben - QueerWeg Verein für Thüringen e. V., von RIAS Thüringen und Bildungswerk ver.di Thüringen e.V. Gefördert aus Mittel der Thüringer Staatskanzlei, des Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, sowie durch die Stadt Erfurt.
Lesung „Babylonisches Repertoire“
mit Gabriel Wolkenfeld
Ein Panoptikum aus Erzählungen, albern, nachdenklich, dem Irrsinn unserer Tage entwachsen. Im Rahmen der Queer Jüdischen Tage stellt der Berliner Autor Gabriel Wolkenfeld am 21.10.2026 in der Urbanothek in Weimar seinen Roman „Babylonisches Repertoire“ vor.
Wolkenfeld erzählt darin die Geschichte einer jüdischen Familie über drei Generationen und Ländergrenzen hinweg, einsetzend in Litauen vor dem Krieg über Usbekistan und Sowjetrussland bis ins Israel der Gegenwart: Weil der 86-jährige Avigdor Seliger nicht mehr spricht, steckt ihn seine Tochter Hannah in ein Altersheim. Die Ärzte sind sich nicht sicher: Verirrt sich der Mann allmählich in den Nebeln der Demenz oder verweigert er das Sprechen bewusst? Weil Enkel Yair fürchtet, der Großvater könnte seinen Bezug zur Realität verlieren, erzählt er ihm jene Geschichten, die der Senior während der Schulferien am See Genezareth einst ihm erzählt hat. Allerdings erinnert sich Yair nicht immer genau. Er erfindet hinzu, übertreibt, wandelt ab – in der Hoffnung, den Großvater doch noch aus der Reserve zu locken und sich selbst vom eigenen Lebenschaos Liebesschlamassel im Tel Aviv der Gegenwart abzulenken…
Über den Autor: Gabriel Wolkenfeld, 1985 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Russistik und Literaturwissenschaft und lebte für jeweils ein Jahr in Estland, Russland und der Ukraine. Neben den Romanen Wir Propagandisten und Babylonisches Repertoire veröffentlichte er drei Gedichtbände. 2026 erschien im Müry Salzmann Verlag eine Sammlung von Märchen. Für sein Schreiben gewann Wolkenfeld u. a. den Hanns-Meinke-Preis und den Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis.
📅 Mittwoch, 21.10.2026, 19:30 Uhr
📍 Urbanothek Weimar (Erfurter Straße 39, 99423 Weimar)
✅ Eintritt frei, Anmeldung erbeten
Lesung „Wir Propagandisten“
mit Gabriel Wolkenfeld
Gabriel Wolkenfelds Roman Wir Propagandisten entstand 2013 als literarische Reaktion auf die Verabschiedung des sogenannten Homo-Propaganda-Gesetzes in Russland. Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Deutschen, der ein Jahr lang als Sprachlehrer in Jekaterinburg Land und Leute kennenlernt und dabei die Einführung des Gesetzes vor Ort mitbekommt. In klarer, doch assoziativer Sprache zeichnet der Text ein lebendiges Porträt des Alltags jenseits des Kremls, berichtet von Wodka-Gelagen in WG-Küchen, von schwulen Hinterhof-Partys, von zaghaftem Widerstand und geflüsterten Geständnissen, aber auch von der Angst, die sie auslösen. Und immer wieder von den lichten Momenten seligen Trotzes, die stärker sind als das Poltern der Gegner: »Verdammt noch mal, denke ich, das Leben ist schön. Wir haben – auf absehbare Zeit zumindest – nur dieses eine.«
Zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung ist Wir Propagandisten aktueller denn je. Nicht nur wurde das Homo-Propaganda-Gesetz seither von Ländern wie Ungarn adaptiert und in Russland 2022 nochmals verschärft, es lädt im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auch zu neuem Nachdenken über die Zusammenhänge von chauvinistisch-autoritären Machtstrukturen und Homophobie ein.
Im Rahmen einer Lesetour im Herbst und Winter 2026 sowie der der Queer Jüdischen Tage kommt Gabriel Wolkenfeld am 22.11.2026 ins Queere Zentrum Erfurt, seinen Debütroman vorzustellen.
Pressestimmen:
„Ein Augenöffner von großer Glaubwürdigkeit und einer geradezu schockierenden Intensität.“ [Deutschlandfunk Kultur, Lesart]
„Wir Propagandisten setzt sich jedoch positiv von den vielen, oftmals belehrend daherkommenden queeren Betroffenheitsromanen ab. Auch wenn die Erzählung klar zeigt, dass ein Leben in Würde für Schwule und Lesben im gegenwärtigen Russland nicht möglich ist, erschöpft sie sich nicht in Klage und Hoffnungslosigkeit. (…) Und darin liegt das Aufbegehrende des Romans, das einen nicht gänzlich an den Verhältnissen verrückt werden lässt.“ [Jungle.World]
Über den Autor: Gabriel Wolkenfeld, 1985 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Russistik und Literaturwissenschaft und lebte für jeweils ein Jahr in Estland, Russland und der Ukraine. Neben den Romanen Wir Propagandisten und Babylonisches Repertoire veröffentlichte er drei Gedichtbände. 2026 erschien im Müry Salzmann Verlag eine Sammlung von Märchen. Für sein Schreiben gewann Wolkenfeld u. a. den Hanns-Meinke-Preis und den Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis.
📅 Donnerstag, 22.10.2026, 18:30 Uhr
📍 Queeres Zentrum Erfurt (Johannesstraße 52, 99084 Erfurt)
✅ Eintritt frei, Anmeldung erbeten
Film „Minjan“ (FSK 16)
David stammt aus einer russischen Einwandererfamilie und nimmt als guter Sohn regelmäßig an den Gottesdiensten seiner jüdischen Gemeinde teil, um das Quorum zu erreichen. Doch als Junge, der auf andere Jungs steht, fühlt er sich von den strengen Regeln seiner Community mehr und mehr eingeengt. Ausgerechnet die Nachbarn seines Großvaters, ein älteres schwules Paar, lassen ihn die Möglichkeiten von homosexueller Liebe erahnen – aber auch die plötzliche Vergänglichkeit allen Lebens. David beginnt, sein Begehren in den Bars und Clubs des East Village zu erkunden.
📅 Donnerstag, 5.11.2026, ACHTUNG - geänderte Uhrzeit: 18:00 Uhr
📍 Queeres Jugendzentrum Qassel (Stauffenbergallee 35, 99085 Erfurt)
✅ Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich
Vortrag „Feminismus der dummen Kerls*. Transfeindlichkeit
und die Verteidigung der ‘Natürlichen Ordnung’“
mit Lara Wenzel
Nationalistische Bewegungen gehen in den letzten Jahren gezielt gegen die Errungenschaften feministischer und queerer Kämpfe vor. Im Namen einer ‚Natürlichen Ordnung‘ greifen sie das Recht auf körperliche Selbstbestimmung an, um eine binäre Geschlechterhierarchie durchzusetzen. Die reaktionäre Bewegung hat einen überraschenden Partner: Gender Critical Feministinnen setzen sich unter dem Deckmantel der Stärkung von Mädchen- und Frauenrechten für eine biologistische und exklusive Vorstellung von Geschlecht ein und arbeiten daran, mit einer transfeindlichen Bedrohungskulisse die Selbstbestimmung von jungen Menschen anzugreifen.
Der Vortrag zeigt anhand theoretischer Bezüge zu Moishe Postone, wie transmisogyner Hass mit antisemitischen Bedrohungsfantasien verwoben ist. Durch die Überhöhung von ‚natürlicher‘ Weiblichkeit und der Zeugungsgemeinschaft der patriarchalen Kleinfamilie, die vermeintlich bedroht sind, von einer übermächtigen ‚Trans Lobby‘ zersetzt zu werden, entsteht eine strukturelle Nähe zum antisemitischen Wahn. Der Vortrag analysiert, wie insbesondere transfeminine Personen zur Projektionsfläche eines gesellschaftlichen Backlashs werden und wie dafür der vermeintliche Schutz von Kindern zur Legitimation patriarchaler Normen instrumentalisiert wird.
Zu Lara Wenzel: "Ich bin Theater- und Kulturwissenschaftlerin aus Leipzig und promoviere zu Walter Benjamins Theaterkritiken und der Konstitution von Öffentlichkeit darin. Seit 2020 schreibe ich als Theaterkritikerin und Kulturjournalistin u.a. für Theater der Zeit, neues deutschland und den kreuzer. Als Referentin spreche ich über das Verhältnis von Transfeindlichkeit und Antisemitismus. 2024 habe ich die lokale Gruppe der Artists Against Antisemitism in Leipzig gegründet und engagiere mich dort gegen Antisemitismus im Kulturbetrieb. Seit 2025 bin ich Teil der Redaktion der outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik."
📅 Donnerstag, 12.11.2026, 19:00 Uhr
📍 Iberoamérica (Wagnergasse 25, 07743 Jena)
✅ Eintritt frei, Anmeldung erbeten
Ausschlussklausel für alle Veranstaltungen:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die in der Vergangenheit durch antisemitische, queer- oder transfeindliche, rassistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


